Endovaskuläre Behandlung von Hirnaneurysmen

Immer häufiger werden Aneurysmen der Hirnarterien zufällig gefunden. Viele Patienten haben Kopfschmerzen oder Schwindel (Symptome, die meist nicht mit einem Aneurysma zusammenhängen) und erhalten aus diesem Grund eine Bildgebung des Gehirns. Was tun, wenn ein Aneurysma gefunden wurde?

Muss ich mich behandeln lassen? Und wenn ja, wie? Hat die Diagnose Auswirkungen auf meinen Alltag? Zugegebenermaßen sind diese Fragen nicht einfach zu beantworten.

Trotz einiger Hinweise in der wissenschaftlichen Literatur, dass die Größe etwas mit dem Risiko zu tun hat, ist die Feststellung "Je größer, desto gefährlicher" nicht die ganze Wahrheit. Weitere Faktoren sind bei der Riskoabwägung zu beachten. Lassen Sie sich diesbezüglich individuell beraten. Wir bieten hierzu eine Neurovaskuläre Sprechstunde an.

Was hat es nun mit der manchmal so genannten Zeitbombe im Kopf auf sich?

Aneurysmen sind in der Regel beerenförmig und an Gefäßaufzweigungen im Gehirn lokalisiert. Weil es im Gehirn viele davon gibt, gibt es dort auch viele Aneurysmen. Gefährlich wird es, wenn ein solches Aneurysma platzt. Wir nennen diese Erkrankung: SAB (Subarachnoidalblutung). Blut ergießt sich in das Nervenwasser, in dem das Gehirn schwimmt oder, sogar noch schlimmer, manchmal auch ins Hirngewebe. Die Blutungen fallen unterschiedlich schwer aus. Es gibt Verläufe von sofortigem Tod bis zu nur geringer Beeinträchtigung. Allen gemeinsam ist ein fast immer auftretender plötzlicher Kopfschmerz und eine Verstärkung des Schmerzes bei Neigung des Kopfes nach vorn (Nackensteifigkeit). In unserem Land ereignen sich im Jahr ca. 10 Blutungen auf 100 000 Einwohner, ungefähr 50 % dieser Patienten versterben oder erleiden eine schwere Behinderung im Verlauf nach der Blutung. Die meisten Aneurysmen bleiben aber ein Leben lang asymptomatisch. Es gibt in unserem Land einige Millionen Aneurysmaträger. Man findet unterschiedliche Angaben, wahrscheinlich sind 3-5 Millionen Menschen betroffen. Die Aneurysmen platzen meist zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr, Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

Wenn ein Aneurysma geplatzt ist, muss man zeitnah behandeln, um eine frühe Zweitblutung zu verhindern.

Sowohl bei gebluteten Aneurysmen als auch bei nicht gebluteten Aneurysmen gibt es zwei Behandlungsverfahren. Bei der neurochirurgischen Behandlung wird das Aneurysma freigelegt und durch eine von außen auf den Hals des Aneurysmas gesetzte Klammer aus der Blutzirkulation ausgeschaltet (sog. Clipping). Bei der neuro-interventionellen Methode wird ein Katheter über das Gefäßsystem in des Innere des Aneurysmas eingebracht, um dann feine Platinfäden im Aneurysma abzusetzen, um es so aus der Blutzirkulation auszuschalten (sog. Coiling).

Zur Besprechung von Details zu diesen Methoden sowie zur Frage, ob und wie Sie sich behandeln lassen sollten, möchten wir auf unsere Neurovaskuläre Sprechstunde verweisen. Nur so können wir der Individualität jedes einzelnen Patienten und seiner Erkrankung Rechnung tragen. Wichtig für Sie zu wissen, ist sicherlich, dass in der Regel im Vorfeld eine 3D-Angiographie durchgeführt wird, um mehr Informationen zu der Anatomie des Aneurysmas zu gewinnen.

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