Schlaganfallbehandlung

Bei einem Schlaganfall handelt es sich um eine Durchblutungsstörung der hirnversorgenden Gefäße. Es geht hier also ausschließlich um den ischämischen Schlaganfall, der weitaus häufigsten Form. Dieser entsteht weil ein hirnversorgendes Gefäß durch ein Blutgerinnsel verstopft ist.Dieses Gerinnsel kann aus dem Herzen kommen. Bei Patienten mit Rhythmusstörungen entstehen diese Gerinnsel dort und werden dann mit dem Blut in die Körperperipherie transportiert. Es entstehen aber auch Gerinnsel an Engstellen von hirnversorgenden Gefäßen, bedingt durch Gefäßverengungen auf dem Boden einer Arteriosklerose.

Wir unterscheiden grundsätzlich kleine und große Schlaganfälle, je nachdem welches Gefäß betroffen, also verschlossen, ist. Je größer der Durchmesser des verschlossenen Gefäßes, desto schwerer ist in der Regel der Schlaganfall, weil mehr Gehirngewebe von der Blutzirkulation ausgeschlossen ist. Die Symptomatik der Patienten bei diesen schweren Schlaganfällen ist deutlicher ausgeprägt.

Was ist neu?

Die Wiederöffnung eines großen Gefäßes mit einem langen Blutgerinnsel gelingt in der Regel medikamentös nicht. Es gab immer wieder Versuche, das verschlossene Gefäß mechanisch zu rekanalisieren, wobei sich bei den bisherigen Methoden kein durchgreifender Erfolg eingestellt hat. Mit der Entwicklung der Stent-Retriever Ende des letzten Jahrzehnts wurde es erstmals möglich, diese Patienten schnell und ohne ein wesentliches zusätzliches Risiko zu behandeln.

Der Stent-Retriever ist eine Gefäßstütze, die in dem Blutgerinnsel entfaltet wird und es fixiert. Idealerweise lässt sich das Gerinnsel dann zusammen mit dem Stent-Retriever aus dem Hirngefäß entfernen. Die Wirksamkeit dieser Methode wurde im Verlauf des letzten Jahres in mehreren internationalen, prospektiv randomisiert angelegten Studien belegt.

Medizinische Bedeutung?

Wir müssen davon ausgehen, dass in Deutschland im Jahr 270.000 Patienten einen akuten Schlaganfall erleiden. Bis zu 10% dieser Gefäßverschlüsse mit großem Gerinnsel können der neuen Behandlungsmethode zugeführt werden, wobei ca. 50% der betroffenen Patienten relevant geholfen werden kann, so dass eine schwere Behinderung ganz verhindert wird oder deutlich geringer ausfällt. Der Schlaganfall liegt in der Statistik der Todesursachen in Deutschland an 3. Stelle, 37% der betroffenen Patienten versterben innerhalb eines Jahres und 50% der Patienten bleiben dauerhaft behindert. Das Risiko steigt signifikant mit dem Lebensalter, insbesondere nach dem 65. Lebensjahr. Aufgrund der zu erwartenden demographischen Entwicklung ist eine Zunahme der Schlaganfallhäufigkeit in Deutschland wahrscheinlich. Mit der Stent-Retriever-Methode haben wir eine neue Möglichkeit gerade den schwerst betroffenen Patienten erheblich zu helfen.

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